Interviews

Rolf Lassgård im Interview für seine Fanseite - 16.07.2008
Du arbeitest seit 30 Jahren als Schauspieler. Würdest du gern mal in einem anderen Beruf arbeiten?
Rolf Lassgård:
Nein, im Moment nicht. Das Interessante an meinem Beruf ist, dass ich die Möglichkeit habe, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Mal spiele ich einen Bauern, mal einen Polizisten usw. Aber wenn ich mal keine Lust mehr habe als Schauspieler zu arbeiten, könnte ich mir vorstellen, ein kleines Geschäft zu haben und gute Musik zu verkaufen.
Du hast im letzten Jahr 4 Filme gedreht. Woher nimmst du die Kraft für so eine lange Arbeitsphase?
Rolf Lassgård:
Es waren sehr interessante Projekte, die mir auch viel Freude gemacht haben. Jetzt bin ich natürlich ein wenig müde und möchte eine Pause machen.
Im Januar hast du in einem deutschen Film mitgespielt. Wirst du künftig häufiger in deutschen Filmen zu sehen sein?
Rolf Lassgård:
Es kommt darauf an ob man mir interessante Projekte anbietet. Aber ich mag es !
Du bereitest dich derzeit auf die Dreharbeiten für einen deutschen Film vor. Bitte erzähle ein wenig über den Film und deine Rolle.
Rolf Lassgård:
Es ist ein sehr gutes Drehbuch über die Strafverfolgung nach dem Krieg in Ex-Jugoslawien Ich spiele einen schwedischen EU-Politiker.
Gibt es Rollen, die du gern spielen würdest?
Rolf Lassgård:
Gute Rollen mit Herausforderungen.
Wann wirst du wieder auf der Bühne zu sehen sein?
Rolf Lassgård:
Ich weiß es tatsächlich nicht. Aber ich möchte gern bald auf die Bühne zurückkehren.
Du arbeitest öfter in Deutschland. Kannst du dir vorstellen, deinen Urlaub hier zu verbringen?
Rolf Lassgård:
Ich habe die kurze Zeit, die ich hier war wirklich genossen. Vielleicht nicht den Sommerurlaub, aber im Herbst oder Frühjahr könnte es schön sein einige Städte zu besuchen.
Welche Filme siehst du gerne in deiner Freizeit?
Rolf Lassgård:
Alle Genres. Drama, Thriller, Comedi. Ich habe gerade eine deutschen Film gesehen; "Reqiem" von Hans-Christian Schmid. Er ist sehr gut und sehenswert.
Hier finden Sie Ausschnitte aus Interviews die Rolf Lassgård in den Jahren 2004 - 2008 der schwedischen Presse gab
Wenn ich schlank wäre würde ich manche Rolle nicht bekommen

Rolf Lassgård ist einer der beliebtesten Schauspieler Schweden's. Anlässlich seiner Rolle des Fischhändlers Alf in Den man älskar gab er einigen schwedischen Boulevard-Zeitungen ein Interview.
Für ihn ist Liebe viel mehr als nur die Liebe zwischen zwei Menschen. Im Film Den man älskar geht es um eine schwierige Variante der Liebe. Nach einer Therapie taucht Hannes wieder in Lena's Leben auf, die jetzt mit Alf verheiratet ist. Alf ist auf Hannes eifersüchtig und will sich überzeugen, dass Hannes ein besserer Mensch geworden ist, weil Lena wieder zu Hannes zurückkehren will, der sie in der Vergangenheit mehrmals misshandelt hat.
Lassgård sagt: "Ich kann Alf's Verhalten verstehen und auch rechtfertigen."
Der Film war für Rolf Lassgård die bisher vielleicht schwierigste Herausforderung in seiner Karriere.
Lassgård: "Das waren schwere und schmerzvolle Wochen, in denen die Gefühle Achterbahn fuhren. Wenn es sich auch komisch anhört so waren sie trotzdem auch lustvoll. Die Arbeit macht mehr Spaß, wenn die Story gut ist und einen berührt." Rolf Lassgård konnte sich in Vorbereitung auf seine Rolle aus der Nähe über misshandelte Frauen informieren, weil seine Frau im Sozialdienst arbeitet.
Die Last liegt schwer auf Alf, als er in der Anfangsszene den Friedhof besucht, wo die, die er liebt , begraben ist.
Lassgård: "Das ist stark. Was Liebe wirklich ist kann ich nicht sagen, sie kann so vieles bedeuten."
Im Film geht es natürlich oft auch um Fisch, weil er den Fischhändler Alf spielt, der im Hafen von Göteborg arbeitet.
Lassgård: "Das war paradisisch. Ich habe die Pausen genossen und mehrere Hummer gekauft, die ich dann im Zug mit nach Gävle nahm." In Gävle wohnt er mit seiner Familie (Ehefrau Birgitta und drei Kinder). Leider kann er, bedingt durch seine Arbeit, nicht so oft mit ihnen zusammen sein.
Lassgård: "Deshalb sind gemeinsame Abendessen für uns daheim in Gävle sehr wichtig geworden." Und dafür steht er dann auch gern selbst am Herd. Im Laufe der Jahre wuchs sein Interesse am Kochen.
Lassgård: "Vor allem aber macht das Essen spaß, viel und lange."
Auf die Frage, ob er nicht um sein Gewicht besorgt sei, antwortete er: " Eher das Gegenteil. Ich sah immer so aus wie jetzt. Groß und klobig. Das ist ein Teil meiner Persönlichkeit. Wenn ich schlank wäre würde ich manche Rolle nicht bekommen. Es ist zwar manchmal schwer es mit sich herumzutragen, aber wie gesagt, ich bekomme unter anderem dadurch meine Rollen."
Trotzdem denkt er, hat wohl jeder den Wunsch abzunehmen. Außerdem schadet das Übergewicht dem Körper.
Um in Form zu bleiben, geht er spazieren und macht ein wenig Fitnesstraining.
Rolf Lassgård zog vor 25 Jahren mit seiner Familie nach Gävle in Mittelschweden und arbeitete dort viele Jahre am Folkteater. Er blieb auch dort wohnen, nachdem er seine Festanstellung am Folkteater gelöst hatte und als freiberuflicher Schauspieler zu arbeiten begann, weil ist inzwischen in Gävle verwurzelt war. Die Menschen dort sehen in ihm nicht den Prominenten, sondern nehmen ihn als ganz normalen Menschen wahr. Nur bei Spielen von "seinem" Eishockey-Club Brynäs legen die auswärtigen Fans ihr Augenmerk auf ihn.
Rolf Lassgård zieht das Leben in einer Kleinstadt dem einer Großstadt vor, weil die Menschen anders sind. Er hat immer in Kleinstädten gelebt und zieht durchaus auch beruflichen Nutzen daraus.
Der Fluss Dalälv, südlich von Gävle, bildet für ihn eine natürliche Grenze zwischen Arbeit und Familienleben. Wenn er mit dem Zug in Richtung Stockholm zur Arbeit fährt und der Dalälv überquert ist, beginnt er zu arbeiten. Er liest dann Drehbücher oder lernt Dialoge. Auf der Heimfahrt nach Gävle macht er es umgekehrt.
Rolf Lassgård gewährt uns auch einen kleinen Einblick in seine Kindheit und Jugend.
Er erzählt, dass im Dorf Svedjelandet, einige Kilometer ausserhalb seines Geburtsortes Östersund, seine Großeltern mütterlicherseits wohnten. Bei der Großmutter gab es alles oder nichts. Es gab Raum für Spiel und Phantasie.
In der Schule begann er zeitig in einer Theatergruppe mitzumachen, die in einem im Keller liegenden Speiserestaurant auftrat. Im frühen Teenageralter lebte er nur für's Theater und Eishockey und kümmerte sich wenig um die Schule. Seine Eltern waren darüber sehr besorgt, weil sie seine Interessen nicht verstanden. Sie lebten ein anderes Leben. Sein Vater war Handelsvertreter für Arbeitskleidung und ein moderner kaufmännischer Angestellter.
In den siebziger Jahren hatte sich im Dorf Storhögen, ausserhalb von Östersund, eine experimentelle Theatergruppe, deren Mitglieder aus Amerika, Polen, Frankreich und Schweden kamen, niedergelassen. Die Gruppe nannte sich "Institut für Bühnenkunst" und arbeitete nach dem Vorbild des polnischen Regisseurs und Theaterpädagogen Jerzy Grotowski. Sie suchten nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten wie das physisch betonte Theater, frei von allem Überfluss hin zum "armen Theater" und zum gereinigten Zurückbesinnen auf den Urgrund der Schauspielkunst.
Die Gruppe arbeitete wie Zirkusartisten und mitten unter ihnen befand sich der junge Rolf Lassgård. Er war bei ihnen, bekam Hilfe, versuchte ihre Kunststücke und war begeistert von ihren Ambitionen und ihrer Seriosität. Er nahm sich ihre Art zu arbeiten an. Das war sein Zirkustraum und sein Traum von einer anderen Art zu leben.
Der Kontakt zur Theatergruppe in Storhögen hat Rolf Lassgård als Schauspieler geprägt. Er fand seine Art zu arbeiten und nahm sie mit nach Malmö zur Schauspielschule. Nach deren Beendigung führte ihn sein Weg über das Skånska Teatern zusammen mit dem Regisseur Peter Oskarson nach Gävle.
Peter Oskarson, Rolf Lassgård und andere Schauspieler wollten beweisen, dass ein Regionaltheater, wie es das Folkteater in Gävle ist, durchaus berühren und aufrühren kann und sich nicht nur an der Kulturelite orientiert.
Sie führten in den alten Gasspeichern (Gasklockan) in Brynäs (Gävle) das Stück "Den stora vreden" ("Der großeZorn") auf. Es ist eine Sage über die Geschichte Norrlands. Die sechsstündige Aufführung wurde ein Erfolg.
Nach fast dreißig Berufsjahren fragt man sich, wie Rolf Lassgård sich die Freude an seinem Beruf erhält. Er erzählt, dass er vor drei bis vier Jahren ein großes Tief hatte. Er sah sich Kritikern ausgesetzt und wusste nicht, ob er seine Arbeit als Schauspieler fortsetzen sollte. Auch fragte er sich, wer diese Kritiker denn überhaupt sind und ob er sich ihnen aussetzen sollte, weil er das Gefühl hatte, seine Kraft Stück für Stück zu verlieren.
In dieser Situiation rief ihn der Rektor seiner Schauspielschule in Malmö an und fragte, ob er mit ihm zusammen ein halbes Jahr an einem Projekt arbeiten möchte, was aber nicht der Öffentlichkeit präsentiert werden sollte.
So konnte er etwas ganz anderes tun und überwandt dadurch sein Tief. Das klingt simpel, doch das war es für ihn keinesfalls. Er machte ausgedehnte Spaziergänge durch Gävle wobei ihm viele Gedanken durch den Kopf gingen und er nach und nach einsah, dass er sich selbst vertrauen muss und etwas machen muss, was er auch selbst will und es wert ist, die Familie zeitweise in Gävle zurückzulassen.
Interview von Kerstin Monk - Gefle Dagblad - mit Rolf Lassgård, geführt im Januar 2004
Jetzt wartet Elling zu Hause
Wir treffen uns als das neue Jahr gerade angefangen hat. Rolf Lassgård und seine Familie haben
Weihnachten und Neujahr in Gävle, ihrer Heimatstadt seit 20 Jahren, gefeiert. Viele von uns haben
Rolf während der Feiertage im Fernsehen gesehen. Er war Gast in der Sendung "Det goda samtalet"
und als Kurt Wallander in "Der Mann der lächelte".
Jetzt wird Rolf mehr Zeit zu Hause verbringen. Bald fängt er mit den Vorbereitungen für das
Stück "Elling" an. Das war ursprünglich eine Reihe Bücher, die ein Theaterstück
wurden und danach ein sehr bewegender und beliebter norwegischer Film. Die Vorbereitungen werden im
Stadttheater in Gävle stattfinden, dort wo das Theaterstück auch am 11. Februar Premiere
haben wird. Rolf schätzt es, Zeit für seine Familie zu haben.
Im vergangenen Jahr hat er u.a. einen Film in England gedreht "The Queen of Shebas pearls", das ist
der neueste Film von Colin Nutley und der erste, den er in seinem Heimatland England gedreht hat.
In dem Film spielen nur zwei Schweden mit: Rolf und Helena Bergström.
Wie war es einen Film in England aufzunehmen?
Sehr spannend! Ich bin sehr froh darüber, daß ich dieses Abenteuer erleben durfte. Es war
auch eine Weile her, dass ich mit Colin und Helena gearbeitet habe. Schauspielern aus anderen Ländern
zu begegnen war ein Geschenk und es war spannend.
Einen Mann, der heißt Deafy. Der Film beginnt im Februar 1942 während des Zeiten
Weltkrieges. Dann springt die Handlung in die 50ziger Jahre. Ich bin ein alter Europäer, der rüber
fuhr und drüben Stellung bezog. Ich glaube nicht, dass er gekämpft hat. Aber er verletzte sein
Gehör fast sofort. Dann ist er dort geblieben und wurde von dem Onkel der Familie aufgenommen.
Alles spielt um ein Haus herum. Dort gibt es einen Pfarrer und diesen Onkel, der ein Bestattungsunternehmen
betreibt. Deafy ist die Aushilfe und der Unterste in der Hierarchie. Er ist Ausländer und hat eine
Behinderung. Es gibt noch mehr, aber das kann ich nicht verraten.
Bist du ein Schwede?
Ja, ich bin ein Schwede, aber das wissen wohl nicht so viele. Die Schweden waren nicht so beliebt wie
die Norweger damals. Wir wurden ja ein wenig wie Verräter angesehen.
Und Helena, was spielt sie?
Eine schwedische Frau die zurückkommt und ihre Mutter sucht. Sie stellt das ganze Haus auf den Kopf.
Kann es sein, daß Colin seine eigenen Wurzeln und seine Identität in diesem Film sucht?
Ja, es geht um einen Jungen der in dem Haus aufwächst. Aber ich weiß nicht wie biographisch
es ist. Aber er hat ja Kenntnisse über sein eigenes Land. Es war schön zu sehen wie Colins
besondere Art zu arbeiten in England funktionierte. Er schreibt ja nie einen Dialog. Für uns
Schweden war es gut, gezwungen zu sein, seine Texte zu übersetzen. Das ist gut für den
Fortschritt und für die Phantasie. Aber einige Dinge waren unmöglich zu übersetzen.
Ich erinnere mich an "Under solen". Ich sollte in die Stadt fahren und eine Anzeige aufgeben und
frage den Mann was ich tun mußte. "I am going to town to meet a man about a dog", Das war das
was ich von Colin bekam, das sollte ich sagen. Das ist ein englischer Ausdruck, der bedeutet, -"das
geht dich nichts an" , auf eine nette Art gesagt. Da gibt es einfach keine gute Übersetzung, daher
mußten wir die Situation ändern. Es wäre zu unverschämt gewesen zu sagen -"das geht
dich nichts an". In England hat es Spaß gemacht Colin zu erleben, zu sehen wie die Stichworte kamen,
seine Lust daran.
Wie reagierten die englischen Schauspieler?
Die waren froh. Englische Schauspieler sind isolierter in der großen Maschinerie. Hier waren wir
ein Team und das hat ihnen sehr gefallen. Es war mehr wie eine Theaterarbeit. Es war nicht so, als wenn
jeder seinen Wohnwagen gehabt hätte wo man sitzt und wartet bis gefilmt wird. Es war auch eine
unglaubliche Erfahrung, die älteren englischen Schauspieler und ihre ungeheure Erfahrung erleben zu
dürfen. Man hat einige Idole bekommen.
Und jetzt wartet Elling. Wie kam es dazu?
Vicky von der Lancken, die Produzentin, hat dieses Vorhaben mit Ulveson geplant. Sie haben mich mehrere
Male angerufen um einen Termin zu finden. Ich wußte, welche freie Zeit ich in dem Jahr hatte.
Gleichzeitig fällt es mir schwer mich zu entscheiden, wenn es um Theater geht. Ich habe ja u.a.
"Stormen" in Göteborg gespielt und das hat großen Spaß gemacht. Aber es ist anders als
einen Film zu drehen. Da arbeitet man den ganzen Tag und abends bereitet man sich für den nächsten
Tag vor. Im Theater hast du einen Übungstermin. Und dann, wenn du spielst, wartet man einen ganzen
Tag bis es abends soweit ist. Es ist anstrengend für die Familie. Das habe ich Vicky erzählt
und sie meinte, wir könnten ja auch in Gävle spielen, das hat mir die Sache in vielerlei
Hinsicht leichter gemacht.
Es soll schon ausverkauft sein?
Bestimmt gibt es noch einige Plätze. Anfangs ging es sehr schnell, aber es ist noch nicht ausverkauft.
Was empfindest du in bezug auf dieses Stück?
Es ist eine sehr warme und wohlige Geschichte mit Trauer und Humor. Die hat alles. Menschen, die anders
sind haben mich immer fasziniert, angefangen mit dem Dorftrottel bis hin zum Falstaff. Ich bin fasziniert
von ihnen, die Welt wird anders, wenn man sie mit ihren Augen sieht.
Wo findest du diese Rollen?
Da gibt es eine ganze Menge. Es ist faszinierend über diese Menschen zu schreiben. Ein Mann zu dem
ich oft zurückkehre ist "Morbror Anders", der Roman von Molly Johnsson, die ihre Wurzeln im
Regierungsbezirk hat. Ich lese ihn ab und zu mit großer Freude. Er ist lustig und fesselnd und ist
dem Elling sehr ähnlich.
Es wird auch Spaß machen mit einer kleinen Gruppe zu arbeiten, mit Gustav Hammarsten, den ich in
"Henrik IV" traf. Er spielte den Prinzen und ich Falstaff. Meine letzte kleine intimere Geschichte
war "La Strada" mit dem Folkteater und das ist sehr lange her.
Dadurch, dass du hier in Gävle wohnst bist du in der Film- und Theaterwelt eine große Ausnahme.
Du hast bewiesen, dass es geht.
Ja, ich wohne seit 20 Jahren hier. Es war mir immer sehr wichtig, auch als ich als Selbständiger anfing,
daß ich immer wieder hierher nach Gävle zurückkommen konnte. Hier habe ich Stücke
mit Peter Oskarson gemacht, die sehr wichtig waren und immer noch sind. Sie sind immer noch die spannendsten
Theaterprojekte, die ich jemals gemacht habe. Die Gasklockorna sind wirklich einzigartig.
Aber es ist auch sehr anstrengend gewesen, meine Frau hat eine große Verantwortung übernehmen
müssen, insbesondere weil wir hier keine Verwandten haben. Arbeitstechnisch gesehen, hat es Vorteile.
Wenn ich wegfahre kann ich zu 100% arbeiten und wenn ich zu Hause bin, kann ich die Arbeit vergessen.
Deine Kinder interessieren sich für Theater?
Ja, Ida beschäftigt sich mit Tanz und macht jetzt eine Ausbildung in Göteborg. Sie hat seit ihrem
dritten Lebensjahr getanzt. Hanne hat die gleiche Ausbildung wie Ida gemacht in Sandviken. Sie macht jetzt
aber die Theaterlinie auf der Vasa Schule. Und Anton hat im "Trollkarlen fran Oz" mitgespielt. Für
ihn zählen Theater und Hockey.
Wie geht es dir damit?
Ich freue mich sehr, dass sie es probieren. Aber ich verlange es nicht. Sie können das machen, was
sie möchten. Aber ich glaube, daß egal was man im Leben macht, man hat einen Nutzen davon,
dass man beim Theater war.
War dein Weg zum Theater nicht so gerade?
Doch. Ich fing sehr früh an, schon in der Schule, auch wenn ich damals nicht daran dachte es
professionell zu machen. Das kam später. Dann habe ich mit Laientheater weiter gemacht. Es war
ein Hobby. Wir waren eine Gruppe. Aber m.E. gab es keine Schauspieler in der Familie.
Musik?
Musik ist ein unendlich wichtiger Teil meines Lebens und vielleicht bin ich ein wenig traurig darüber,
daß ich kein Instrument spielen gelernt habe. Aber ich benutze Musik in meiner Theaterarbeit.
Um die Stichworte zu finden oder um Inspiration zu bekommen. Da kann mich die Musik in eine andere Welt bringen.
Hat es auch damit zu tun, daß man hört was du sagst, auch in den Gasklockorna?
Ich glaube, das kommt von der Arbeit mit "Amledo". Damals haben wir die Musik sehr wichtig genommen. Sie war
fast wichtiger als die Bedeutung. Und das führte dazu, daß das Ganze viel deutlicher wurde.
Wenn man auf diese Weise mit dem Text arbeitet, trifft man die tragenden Worte. Es war lustvoll und
spielerisch. Ich habe die Musikalität eines Schauspielers, nicht die eines Musikers.
Wie erlebst du deine Identität mit Gävle?
Wenn es um die Stadt geht, erlebe ich sie so wie viele andere Menschen auch. Ich fühle mich hier wohl,
so einfach ist es. Es ist der Platz wo die Familie ist. Außerdem ist es zufälligerweise der Ort,
wo auch Schwedens beste Hockeymannschaft zu Hause ist. Und es gibt wechselnde Jahreszeiten. Ich fühle
mich außerordentlich wohl, wenn ich den Winter spüre.
Sehnst du dich immer noch nach Östersund zurück?
Nicht wie am Anfang.
In Östersund gibt's wohl kein Hockey?
Doch, ich habe selbst gespielt in einer niedrigeren Klasse. Damals in den 70ziger Jahren war Brynäs
eine sehr große Mannschaft. Für mich waren sie mit all ihren Spielern fast wie die Landesmeister.
Was ist es, was hauptsächlich die Männer dazu bringt sich für eine Hockeymannschaft so zu begeistern?
Ich weiß es nicht. Da ist zum einen der Kampf, die Geschwindigkeit, aber auch ein unkontrollierbarer
Teil, der neu ist jedes Mal. Alle Teams üben verschiedene Kombinationen. Und hier kann man es mit
dem Theater vergleichen. Dort gibt es auch Augenblicke der Überraschung. Aber natürlich nicht
auf die gleiche Weise. In einem Hockeyspiel kann alles geschehen. David kann den Goliath besiegen. Aber
warum sind Männer so begeistert? Vielleicht weil wir so sehr mitgehen. Ich weiß von mir selbst,
daß ich mich verwandele.
Du meinst, daß du da stehst und schreist?
Genau. Es gibt welche die sich meiner schämen. Vielleicht ist es gesund alles loszulassen und wütend
zu werden, wenn es nicht so kommt, wie du es möchtest. Man hofft aber und die Chance ist ja immer da.
Es ist ein Kontrast zu dem männlichen, wo alles unter Kontrolle sein muß. Für mich ist
Brynäs auch ein Teil meiner Identifikation mit Gävle.
Du bist auch Mitglied dieses Komitees, das eine neue Hockeyarena für Gävle organisieren soll?
Ja, ich werde meinen Teil tun. Es ist selbstverständlich, dass wir eine Arena brauchen, besonders wenn
man sieht wie andere Clubs das machen. Ich bin für Alderholmen, ein Teil der Stadt, der wachsen sollte,
ein phantastischer Platz der unbenutzt ist. Aber die Hauptsache ist, daß wir eine neue Arena bekommen.
Hast du einen Bezug zum Meer?
Überhaupt nicht. Ich bin ein Inländer. Wenn auch die Fjälls eine Ähnlichkeit mit dem Meer
haben, das Unendliche. Es ist mir aber ein Rätsel, warum es in Gävle weder ein Fischgeschäft
noch ein Fischrestaurant gibt.
Wie gehst du damit um in einer kleinen Stadt prominent zu sein?
Das ist hier nichts Besonderes. Außerdem haben sich die Leute nach 20 Jahren daran gewöhnt.
Ich weiß wann ich einen Ort verlassen muss und auf der Cityparty kann man nur ein paar Stunden bleiben.
So ist es eben. Eine Begegnung mit den Menschen, die Film und TV gesehen haben, kann nur auf der Straße
geschehen. Im Theater begegnet man sich direkt. Das Einzige was mich stört, das ist, wenn man auf seine
Popularität reduziert wird. Das macht keinen Spaß.
In deinem Beruf hängt ja der Erfolg damit zusammen, dass man von jedem erkannt wird.
Ja, das Eine führt zum Anderen. Beides gehört zusammen. Und so werden auch neue Gelegenheiten zum
Arbeiten geschaffen. Der Negative daran ist, dass man auf bestimmten Gebieten, Humanität zum Beispiel,
zum Spezialisten ausersehen wird, wenn man mal eine solche Rolle gespielt hat. Und man wird zu einem Spielzeug
für die Medien. Man bekommt einen Unterhaltungswert, für den ich mich aber nicht interessiere.
Du meinst so was wie die Auszeichnung zum begehrenswertesten Mann Schwedens?
Ja so etwas. Verschiedene Wahllisten. Und dann wollen sie so gerne den Leuten einen Frack anziehen.
So einfach ist das Leben aber nicht.
Habt ihr immer noch ein Haus in Skåne?
Ja, wir hämmern noch. Es ist ein sehr einfaches Haus, ein Sommerhaus. Die Gegend ist angenehm
neben Österlen, in der Nähe von Ystad.
Dort werden die Wallander Filme gedreht und dorthin kommen deutsche Touristen, um in seinen
Fußstapfen zu gehen.
Ja, sie fahren die Leute in einem Feuerwehrauto herum. Dann möchte ich nicht gerne auf der Straße sein.
Welches Verhältnis hast du zu Henning Mankell?
Ein gutes. Wir haben eine ähnliche Herkunft, freie Theatergruppen. Unsere Begegnungen geschahen
durch Kurt Wallander und sind beruflich. Ich bewundere seine Bücher und ich freue mich über den
Versuch sie hier im Film umzusetzen.
Wie siehst du die Zukunft?
Ich hoffe, dass ich weiterhin Film und Theater kombinieren kann. Ich arbeite gerne mit verschiedenen Medien.
Sie befruchten sich gegenseitig und das hilft mir die nötige Kraft und Energie zu haben. Dann ist da
noch die Familie und ich kann eine andere Zukunft sehen. Sie hat sich schon dadurch verändert, dass
die Älteste ausgezogen ist. Es ist wie ein Wecker, der klingelt, eine Situation, die man meistern
muß. Ich möchte gerne Opa werden in einem größeren Haus mit genug Platz, um alle
zu empfangen und zusammen zu leben mit denen man schon so viel geteilt hat. Ein Platz, wo man gut wohnen
und essen kann.
Was planst du jetzt?
Heute habe ich keine festen Pläne nach Elling. Ich träume davon Shakespeare, aber ich verrate
nicht welches Stück mir da vorschwebt. Es gibt auch Gespräche über Krilon mit Peter Oskarson
und dann das 7. Wallander Buch. Im Februar hat "Tre solar", der letzte Film von Rickard Hobert Premiere.
Was bedeuten dir geistige Dinge?
Ein menschliches Bedürfnis von Ruhe und Erholung. Sich selbst aus verschiedenen Perspektiven der Natur,
der Kunst zu sehen. Es ist gut seine eigene Wenigkeit im Verhältnis zur Natur, zur Kunst und vor allem
im Verhältnis zur Musik zu erkennen. Geistige Momente sind Momente des Nachdenkens, sie sind wie ein
Heilungsprozess.
Wie sieht dein Gott aus?
Das kann ich nicht sagen. Es ist jemand der mir Kraft gibt und den Lebensbecher füllt. Auch, daß
man sich als ein Teil von etwas Größerem fühlt. Es ist spannend in diesem Gegenstück
zu sein. Es gibt eine Begeisterung für die kleinen Menschen. Im letzten Teil vom "Sagen om ringen"
gab es einen Augenblick, der mich sehr beeindruckte. Das war als die Kleine irgendwie erhöht wurde.
Du wolltest einmal Pfarrer werden?
Ja, das war einer der Berufswünsche. Vielleicht weil es dort die Sagen und das Mystische gab. Das hat
mich begeistert. Sie verschwand aber schnell nach der Konfirmation, das war mir zu langweilig. Aber sich
als kleiner Teil des Ganzen zu sehen, das ist spannend. Dort gibt es sowohl Trauer als auch Freude, Hand in Hand.
Der Kampf des Bösen gegen das Gute?
Genau.
Gehst du in die Politik?
Nein, aber ich versuche ein politischer Mensch zu sein. Das ist ein Teil meiner Arbeit. Es war beeindruckend
als wir "Orestien" machten, und die Bomben über Afghanistan fielen. Der Text von dem alten griechischen
Drama paßte genau zu unserer Zeit mit Rache und Vergeltung.
Ich frage mich warum der Wunsch nach Frieden sich nur wie ein abgedroschener Spruch anhört. Aber wir
haben eine Weltpolizei, die nicht einsehen will, dass man sich mit den Problemen der dritten Welt
auseinandersetzen muß, mit ihren Lebensbedingungen. Wir selbst schaffen eine Brutstätte für
Terrorismus. So wird es auch bleiben so lange wir nicht die wirklichen Probleme anpacken.
Das war jetzt ernst; was ist Freude für dich?
Die große Quelle der Freude ist der Moment des Schaffens, wenn man meint etwas in der Figur, in der Person,
gefunden zu haben. Das hat Ähnlichkeit mit dem Spielen, aber es ist sehr schön. Da ist auch eine
gewisse Spiritualität. Die Freude und das Spiel, der ernste Spielplatz. Ich glaube, daß das
Theater uns hilft zu leben.
Fünf Gedanken zum Thema......
.....Colin Nutley
Phantastisch guter und einzigartiger Regisseur. Ein unglaublich guter Kumpel und Freund.
....Bengt Wiklund
Gerade fühle ich mich melancholisch. Ich war Weihnachten bei seiner letzten Messe. Einzigartiger
Pfarrer und Mensch. Er ist phantastisch. Er ist die Sorte Mensch den man mit sich trägt. Ich sehe
meine Kinder, die bei Brynäs gewesen sind, die bei seinen Weihnachtsfeiern dabei waren und das alles.
Er ist das Gleichgewicht zwischen hoch und niedrig.
....Brynäs IF
Pochendes Herz. Bei Erfolg und Niederlage.
....England
Spannend
....Johan Ulveson
Gut sich wiederzusehen. Wir haben uns nicht richtig getroffen seit wir in der Theaterschule in
Malmö waren. Er war in der 1. Klasse ich in der 3. Jetzt machen wir Elling zusammen.